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Siehe auch in Buchform

bitte wie folgt zitieren

Seite     1 - 168: Uwe Kraeft & Michael Kraeft, Bivalvia - Bivalves - Muscheln 1, (2015), Shaker Verlag, Aachen.

Seite 169 - 304: Uwe Kraeft & Michael Kraeft, Bivalvia - Bivalves - Muscheln 2, (2016), Shaker Verlag, Aachen.

Seite 305 - 467: Uwe Kraeft & Michael Kraeft, Bivalvia - Bivalves - Muscheln 3, (2016), Shaker Verlag, Aachen.

Seite 469 - 606: Uwe Kraeft & Michael Kraeft, Bivalvia - Bivalves - Muscheln 4, (2017), Shaker Verlag, Aachen.

 

Band 1:

http://www.shaker.de/shop/978-3-8440-3889-7

 

Band 2:

http://www.shaker.de/shop/978-3-8440-4505-5

 

Band 3:

http://www.shaker.de/shop/978-3-8440-4640-3

 

Band 4:

http://www.shaker.de/shop/978-3-8440-4961-9

 

Anm: Als Maßstab der Fotos dient ein 1 Cent-Stück; der Innenranddurchmesser beträgt ca. 15 mm, der Außenranddurchmesser ca. 16,25 mm; durch die Kreisform des 1 Cent- Stücks ist die fotografische Verzerrung erkennbar.

 

 

 

Die Auslöschung/Reduzierung von Bivalvengruppen an der Kreide - Tertiär (Paläogen) - Grenze (K-T (P) - Grenze)

 

Seit vielen Jahrzehnten und praktisch vom Anbeginn der Paläontologie stand die Frage im Vordergrund, warum in bestimmten Schichten Fossilien, die zuvor mehr oder weniger häufig auftraten, nicht mehr vorkommen. Im Prinzip ist für uns das Erlöschen von Tiergruppen geradezu alltäglich und wir sprechen zum Beispiel von bedrohten Arten. Die Gründe dafür liegen in den Organismen selbst und vor allem im ständigen Wandel, der anthropogen sicher beschleunigt wird. Formationsgrenzen wurden früher gerade wegen einer beobachteten markanten Änderung festgelegt. Das kann so weit gehen, dass jede jüngere Schicht einem „Ereignis“ zugeordnet wird. Letzteres kann großräumiger sein, wie zum Beispiel das „Raibler Ereignis“ in der Trias der Alpen, das zu den Raibler Schichten des Karnium führte, die sich zumindest regional petrographisch und mit der darin überlieferten Paläofauna deutlich von den liegenden und hangenden mehr massigen Karbonatsedimenten unterscheiden; das „Ereignis“ kann auch nur auf engem Raum regional begrenzt auftreten, wie zum Beispiel in Küstenbereichen.

 

In dem Artikel „Das (angebliche) Aussterben der Dinosaurier“1) wurde berichtet, dass nach heutigem Kenntnisstand zwar großräumige Aussterbeereignisse wie das K-T-Ereignis stattfanden; diese zogen sich aber im letzteren Fall über einen längeren Zeitraum hin und können nicht unmittelbar mit einem einzelnen Ereignis in Beziehung gebracht werden.1) Beispielsweise überlebten keineswegs alle, sondern nur wenige  Dinosaurier bis in die Nähe der Grenze Maastrichtium/Danium. An der Grenze starben auch andere Organismen aus; wieder andere überlebten, wie beispielsweise die Vögel als Nachkommen der Dinosaurier.

 

Von den Muscheln (Bivalvia) werden vor allem die Rudisten und Inoceramen als „Opfer“ der K-T-Grenze dargestellt, die damals vollständig „ausgerottet“ wurden. Tatsächlich ist es auch hier so, dass nur wenige Formen bis ins Maastrichtium überlebten; diese besitzen bei den Inoceramen eine relativ einfache und „altertümliche“ Gestalt. Die Rudisten sollen nach heutiger Meinung ebenfalls an der K-T-Grenze nachkommenlos verschwunden sein. Nun gibt es aber die Gruppe der Chamiden, die einzelnen altertümlichen Rudisten stark ähneln. Eine Parallelentwicklung mit vielen gemeinsamen Merkmalen wäre zumindest außergewöhnlich.

 

Fast noch sonderbarer sind die Pholadomyen und Trigonien, welche die K-T-Grenze offensichtlich „überlebt“ haben, wenn es sich nicht auch hier um Parallelentwicklungen handeln würde, was aber heute nicht diskutiert wird. Letztere sind zum Beispiel durchaus bekannt, wenn es nur um ein Merkmal, wie das der äußeren Gestalt geht.- Rezente Pholadomyen sind sehr selten. Lebende Trigonen finden sich in den Meeren Australiens und Tasmaniens etwa südlich des Wendekreises. In beiden Fällen stellt sich natürlich die Frage, warum sich die Pholadomyen und Trigonien nicht wie früher weiter ausgebreitet haben, was andere Muscheln erfolgreich taten?

 

Wenn auch die tatsächlichen Vorfahren vor allem der Chamiden nicht genau bekannt sein mögen, irgendwelche Vorläufer müssen existiert haben. Wie diese aussahen, wissen wir nicht; vielleicht waren es „einfache“ Formen, die in Nischen existierten, vielleicht entwickelten sich auch kompliziertere Formen zurück. Dies ist insofern ein interessantes Thema, als auch heute zumindest daran gedacht werden könnte, höhere Formen ontogenetisch durch eine genetische „Bremse“ in lebensfähiger Form zu „stoppen“. Dabei können dann natürlich ohne größere Genveränderungen nur „echte“ Vorformen realisiert werden. Die Regel von Dollo ist dabei zumindest im "Labor" in Frage zu stellen.

 

Die Abstammungsverhältnisse sind außerdem für die Taxonomie wichtig, die unter Einhaltung des Linnéschen Verwandtschaftsprinzips durchgeführt werden sollte:

 

Organismen mit gleichen taxonomisch relevanten Charakteristika und (damit) gleicher=gemeinsamer Abstammung sind im gleichen zu den gemeinsamen Charakteristika gehörenden obersten Taxon zu vereinigen.

 

Auf den folgenden Seiten werden die Inoceramen, Trigonien, Chamiden und Pholadomyen  kurz einführend mit der oben genannten phylogenetischen Fragestellung behandelt. Ergänzend sind einige Gedanken zum Thema "Homologie (gleiche Eigenschaften durch direkte Verwandtschaft) und Analogie (ähnliche Eigenschaften ohne unmittelbare Verwandtschaft)" am Beispiel der Modiomorphen und Pteriomorphen sowie zu der davon abhängigen Taxonomie festgehalten. Die Frage der homologen oder analogen Morphologie stellt sich auch bei den Sequenzen des Genoms, die ja lediglich eine Erweiterung der zu beobachtenden Eigenschaften der Organismen darstellen.- Abschließend werden einige Faunen und Paläofaunen an Beispielen beschrieben.

  

1)Michael Kraeft, Das (angebliche) Aussterben der Dinosaurier, (2014), The Munich Show – Mineralientage München, Themenbuch Meteoriten S. 112-123, Wachholtz Verlag – Murmann Publishers, Neumünster/Hamburg und The Munich Show – Mineralientage München